Mittwoch, 08.06.2011

Eine Reise in den Norden und den Süden

Unglaublich viel gesehen und erlebt habe ich die letzten fünf Tage. Damit ich von Norwegen auch mal etwas zu sehen bekomme, hatte ich mit meinen beiden Mädels zum Abschluss eine kleine Reise in zwei Städte des Landes geplant. Von Hamar aus sollten wir über Oslo nach Tromsø, ganz in den Norden des Landes fliegen, anschließend von Tromsø über Oslo nach Stavanger, das im Süd-Westen liegt.

Anflug auf Stavanger

3216 Kilometer ist Mutlangen von Tromsø entfernt, ich glaube, so weit war ich noch nie von zu Hause weg. Von Tromsø zum Nordpol sind es übrigens nur noch 2000 Kilometer und ihr könnt mir glauben, dass es da oben ziemlich kalt war. Acht Grad hatte es an unserem Ankunftstag und ich möchte nochmal betonen, das wir schon Juni haben!

Kurz vor meiner Tour bin ich nochmal richtig schön krank geworden, so, dass ich sogar schon daran dachte, das Ganze abzusagen. Eigentlich sollte das eine Reise mit dem Zelt werden, damit sich meine Krankheit aber nicht verschlimmert, haben wir für Tromsø eine Hütte auf dem Campingplatz gebucht. Wie sich im Nachhinein herausstellte, wäre das auch im gesunden Zustand gar keine blöde Idee gewesen, denn es war nicht nur kalt, es war auch verregnet und stürmisch. Und zum Thema Regen und Zelt komme ich später aber noch.

Ein Rucksack mit einem Mädchen

Nach einer Taxifahrt und zwei Busfahrten sowie einem auszuhaltenden Fußmarsch waren wir endlich am Campingplatz angekommen, machten uns aber sofort zur ersten Sehenswürdigkeit auf: dem Fjellheis. Der Fjellheis ist eine Seilbahn, die auf einen der sieben Berge, die die Stadt umgeben, hinaufführt. Für eine Fahrt von umgerechnet 13 Euro gelangten wir zwischen zwei deutschen Touristengruppen in eine der beiden gelben Gondeln.

Tromsø von obenEine der beiden GondelnBlick auf Brücke und KircheGondelstation am Berg

Nach vier Minuten Fahrt waren wir auf der 420 Meter hoch gelegenen Bergstation. Als ich die eisigen Temperaturen und dazu noch den kalten Wind spürte, wunderte es mich auch nicht mehr, dass rings um Tromsø noch Schnee liegt. Vom dort oben hat man nicht nur eine super Aussicht, man kann sich von dort aus auch zu Wander- und Bergtouren ausmachen, und neben zwei aus deutschen Rentnern bestehenden Touristengruppen stiegen auch norwegische Familien mit Skiern im Gepäck aus dem Fjellheis.

Über Tromsø - es war kalt und stürmischAuf dem BergIm Schnee spielen

Eine kleine Tour dort oben wäre zwar schön gewesen, aber dazu hätten wir passender angezogen sein müssen (auch wenn ich meine deutsche Winterjacke dabei hatte) und meine Tagesform war dazu nicht die beste (wenn man bedenkt, dass ich am Tag zuvor mit Fieber im Bett lag). Also nach reichlich Fotos von der Stadt und Spielen im Schnee rein ins Café und einen Kakao getrunken. Und natürlich die Aussicht von da oben genossen.

Auf dem Weg vom Campingplatz zum Fjellheis begegnet man noch einer anderen Sehenswürdigkeit: der Eismeerkathedrale. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und hat eine für Kirchen etwas ungewöhnliche Architektur. Sie wurde 1965 gebaut und steht als Symbol für Polarlicht, Eis und lange Dunkelheit.

EismeerkathedraleEismeerkathedraleKirche vom Inselteil der Stadt aus

Das Gegenstück zu langer Dunkelheit ist natürlich lange Helligkeit, denn für zwei Monate geht jetzt in Tromsø  die Sonne nicht mehr unter, und wäre es nicht so bewölkt gewesen, hätte ich auf meiner Reise die Mitternachtssonne zu Gesicht bekommen. Aber zumindest merkt man, dass es die ganze Zeit gehörig hell ist.

Tromsø  besteht übrigens aus zwei Teilen, einem Festlandteil und einem Inselteil. Beide Teile sind mit einer langen Brücke verbunden, die von unserem Campingplatz gut erreichbar war. ( An dieser Stelle muss ich auch erwähnen, dass beide Teile auch durch einen Tunnel verbunden sind, in dem es riesengroße Kreisverkehre gibt.)

Naja, jedenfalls war für den zweiten Tag Sightseeing angesagt, für das wir auf die Insel mussten, weil dort die Innenstadt liegt mit Einkaufsstraße, Museen, Universität, Verwaltungsgebäuden und Bibliothek.

Die Innenstadt ist nicht besonders groß, es geht zwei Straßen hoch und runter, und dann hat man das meiste eigentlich schon gesehen. Was aber auffällt ist, ist dass es mehr Menschen auf der Straße hat als in Hamar. Die Leute in Tromsø gehen einfach öfter raus. Und es hat auch mehr Cafés und Restaurants. Die Leute sollen auch, so hat man mir erzählt, im Norden sehr offen und freundlich sein. Aber zwei Tage, vor allem zwei verregnete, haben einfach nicht ausgereicht, um dies wirklich beurteilen zu können und einen Unterscheid zu Ostnorwegen zu erkennen.

Was einem kulturell aber jetzt endlich mal auffällt ist, dass Norwegen wirklich ein Land mit mehr als einer Amtssprache ist. Neben den zwei norwegischen Sprachen gibt es nämlich noch Samisch, das hier in Geschäften oder in öffentlichen Gebäuden neben dem Norwegischen auftaucht.

Norwegisch und samisch

Nordnorwegisches Kunstmuseum

Da das Sightseeing und ein Abstecher ins "Nordnorwegische Kunstmuseum" relativ schnell um war bei der kleinen Stadt haben wir uns für einen Besuch im „Polaria“ entschieden, einem arktischen (Aquarium?)Museum. Das Gebäude ist dabei aber schon fast das Spannendste. Es sieht aus wie aufgereihte Dominosteine, die gerade umfallen. Im Museum selbst kann man einen Film auf fünf Leinwänden gleichzeitig anschauen, einen Pfad durch Svalbard (zu Norwegen gehörende Insel kurz vorm Nordpol liegende Inselgruppe) laufen, ein paar Fische bewundern und die Hauptattraktion sind drei Bartrobben und das war‘s.

PolariaBartrobbe im PolariaHurtigrute - fährt von Bergen aus nordwärts

Mit dem Bus sind wir weiter zur Universität. Von der Bushaltestelle aus sind wir durch den Botanischen Garten, wo gerade die Krokusse und die Osterglocken blühen. Von der Uni haben wir nicht allzu viel gesehen, aber im Vergleich zu anderen Unis ist die echt klein. Aber wenn man bedenkt, dass Tromsø nur 8000 Einwohner mehr hat als Schwäbisch Gmünd kommt einem das doch schon wieder groß vor.

Im Botanischen Garten   Frühling......oder Sommer?

Zurück ging es mit dem Bus durch den coolen Tunnel mit den riesen Kreisverkehren. Den Tag haben wir so eigentlich relativ gut rumgekriegt. Den Rest vom Abend haben wir mit Kartenspielen auf der Hütte verbracht und sind auch schon früh ins Bett.

Frühstück auf der Hütte

Am nächsten Tag hat uns nämlich ein Taxi morgens um sechs am Campingplatz abgeholt. Die Alternative wäre gewesen noch früher mit den Rucksäcken (meiner etwa 13 Kilogramm) eine halbe Stunde in die Stadt zu laufen, den Bus zu nehmen und zu riskieren, nicht rechtzeitig zum Flug zu kommen. Also Taxi. Und das war in Tromsø für norwegische Verhältnisse noch nicht mal teuer.

Dann ging der Flughafen-Tag los. In Tromsø einchecken und  auf den Flug warten, nach Oslo fliegen, Gepäck abholen, Gepäck abliefern, einchecken, warten, nach Stavanger fliegen und auf Gepäck warten und auf einmal war es halb drei.

Flug nach Stavanger

Der Weg zum Campingplatz war diesmal ganz einfach. Über eine runde Kreisverkehrbrücke für Fußgänger (was Norweger sich so einfallen lassen ist beeindruckend) ging es zu einem kleinen Park mit See und am anderen Ende des Sees war der Campingplatz. Unser Busfahrer war super und hat uns sogar den Weg nochmal idiotensicher beschrieben.

FußgängerkreisverkehrbrückeWieder der Rucksack mit dem MädchenZelt aufbauenSee am Campingplatz

Unter ein paar Bäumen haben wir dann unser Zelt aufgestellt, das, wie sich herausstellte, für drei Leute doch ziemlich ungrößzügig bemessen war (vor allem, wenn man noch drei Rucksäcke dabei hat).

Eigentlich waren für den Tag die „Sverd i Fjell“ geplant, das sind drei Schwerter, die an einem Strand im Fels stecken. Sie sind ein Denkmal an die Schlacht Harald Schönhaars im Jahre 872, als er der Sage nach Norwegen als Königreich vereinte. Die Schwerter stehen für den Frieden, denn sie sind im Fels verankert und sollen nie wieder benutzt werden.

Vom Flughafen zum Campingplatz sind wir allerdings an dieser Sehenswürdigkeit vorbeigefahren und fanden, die Schwerter seien zwar ein tolles Fotomotiv, ansonsten war aber nichts Interessantes in der Nähe. Also haben wir uns zu einem Ausflug in die Stadt entschieden.

Schwäne auf dem See in der InnenstadtAm Hafen

Drei Kilometer sind es bis zur Innenstadt, verglichen mit Tromsø  waren wir ganz schnell dort. Das Wetter war super und wir haben den Hafen besichtigt und die Innenstadt, haben etwas gegessen und haben feiernde Norweger beobachtet, ein Phänomen, das sich nicht allzu oft sehen lässt. In der Stadt war viel los, Cafés und Bars waren gut besetzt, aus einigen kam Livemusik. Hätten wir am nächsten Morgen nicht früh raus müssen, hätten wir uns sicher in der Stadt einen schönen Abend machen können.

Abends im Zelt

Geplant war aber, am nächsten Morgen um halb sechs aufzustehen, um den frühsten Bus zum Preikestolen zu erwischen. Preikestolen bedeutet auf Deutsch Kanzel/Predigerstuhl und ist ein Felsen, der 604 Meter senkrecht bis zum Fuße eines Fjordes, dem Lysefjord, abfällt.

Warten auf den Bus zur FähreAuf der Fähre

Mit dem Bus ging es zur Fähre, von der Fähre nach Tau und von Tau mit dem Bus zur Preikestolhütte. Schon dort ist die Aussicht fantastisch: Ein See umgeben von Felsen, die mehrere hundert Meter in die Höhe ragen. Wer zum Preikestolen will, muss sich jetzt erst mal anstrengen. Knapp zwei Stunden dauert der Aufstieg, bei dem man auf 3,8 Kilometern 380 Höhenmeter überwinden muss. Die Mädels in den Ballerinas und die älteren Herren in Sandalen sind wahrscheinlich davon ausgegangen, dass das wohl nicht so schwer sein darf. Nach ein paar Minuten Fußmarsch kommt allerdings die erste Stecke, bei der man über „Wege“ aus Steingeröll bergauf klettern muss und wofür unbedingt Wanderschuhe erforderlich sind.

Nahe der PreikestolhyttaAm See am Fuße der Hütte

Anfang der Tour. Schon einige Höhenmeter überwundenSo verläuft die Tour  Nochmal der See - von weiter oben 

Bei strahlend blauem Himmel kletterten wir  die Anstiege hinauf, wanderten an kleinen Gebirgsseen vorbei, machten auf glatten Felsen Pause und genossen die Aussicht. Umso weiter nach oben wir kamen, desto schöner wurde die Landschaft. Und schon bevor wir am Preikestolen angekommen waren, waren wir uns einig, dass die Tour auch ohne den steilen Felsen am Ende ein Erlebnis für sich ist.

Über kleine Bächeüber große Steinean einer schönen Landschaft vorbei

daaaaaa bin ich :)*kletter*geschafft :)

100.000 Menschen steigen pro Jahr auf den Preikestolen und an einem so sonnigen Sonntag mussten wir natürlich davon ausgehen, dass mit uns Massen an Touristen ebenfalls dort hinauf wollten. Menschen aus aller Welt waren auf den Beinen. Neben norwegisch hörte man viele Leute deutsch sprechen, englisch, spanisch, niederländisch, irgendwelche asiatischen Sprachen und viele mehr.

Da wir relativ früh gefahren waren, hatten wir beim Aufstieg Glück und anfangs kamen uns kaum Menschen entgegen. Wir konnten also gemütlich laufen, ohne ständig anderen Leuten auszuweichen. Wenn ihr also auch mal hoch wollt: geht möglichst früh los, das Ausweichen auf dem Rückweg allein ist schon nervig genug.

Gebirgssee

Pause......mit Kvikk Lunsj...weiterwander, weit ist es nicht mehr

Nach etwa zwei Stunden wandern, vielen Fotos und ein paar Pausen erreichten erblickten wir auf einmal den Lysefjord. Zum Preikestolen konnte es nichtmehr weit sein. An einem kleinen Pfad ging es jetzt nahe der Klippen entlang und dann war er auf einmal da. Auf dem Preikestolen tummelten sich wahnsinnig viele Menschen. Vorsichtig betraten wir die vollkommen ungesicherte Kanzel und meine eigentlich erwartete Höhenangst war auf einmal wie weggeblasen. Also wagte ich es, mich auf den Felsrand zu setzen, so wie man es auf den Bildern im Internet immer sieht. Ein unglaubliches Gefühl da oben zu sitzen und die Füße über 600 Meter tiefem Abgrund baumeln zu lassen!

Blick über den AbgrundTodesmutig :DDa sitz ich und freu mich :)

Wenn man sich auf ein bisschen Klettern einlässt, kommt man noch weiter nach oben und hat noch einmal einen Blick auf Fjord und Preikestolen und vor allem sind dort oben weniger Menschen. Und wie es sich in Norwegen auf Wanderungen gehört, haben wir da oben noch ein Kvikk Lunsj gegessen, eine norwegische Turschokolade.

Über dem PreikestolenÜber dem Preikestolen

Langsam machten wir uns wieder auf zum Abstieg, der irgendwie anstrengender war als der Aufstieg, weil man sich so sehr konzentrieren muss, wo man hintritt. Und als wir endlich bei der Hütte angekommen waren, bemerkten wir, dass wir uns alle einen bösen Sonnenbrand eingefangen hatten. Aber wer hätte auch damit gerechnet, nachdem man zwei Tage zuvor acht Grad und Regen erlebt hatte.

Abends gegen neun erreichten wir endlich wieder den Campingplatz, duschten, aßen zu Abend und legten uns relativ bald erschöpft ins Zelt.

Mitten in der Nacht dann die böse Überraschung: Es hatte angefangen zu regnen. Bis zum Morgen tropften dann auch Wasser durchs Zelt auf meinen Schlafsack. Das waren ja schöne Aussichten. Den Tag über wurde es auch nicht viel besser. Wolkenverhangener Himmel und heftige Regenschauer wechselten sich ab. Auf dem Plan stand an diesem Tag die Besichtigung der Stadt. Darunter war die Altstadt mit ihren gepflasterten Straßen, den kleinen weißen Häusern, den alten Straßenlaternen und den vielen Blumentöpfen vor den Hauseingängen und Fenstern.

AltstadtIn der Chokolaterie

Einen Kontrast dazu bietet die Innenstadt, in der bunte Häuser in allen Farben stehen. Es gibt dort viele Cafés und Läden, die sehr gemütlich aussehen. Im Hafen stehen riesige Schiffe und unten am Wasser steht ein Ölmuseum, das wohl zu den besten Museen Norwegens gehört. Auf einen Besuch verzichteten wir allerdings. Einmal, weil wir auf der Tour schon so viel Geld ausgegeben hatten, andererseits, weil wir für ein Museum einfach zu müde waren. Stattdessen ging es in eine Chocolaterie, wo wir einen Kakao bekamen, der nach flüssiger Schokolade schmeckte und einfach herrlich war. Draußen waren auch wieder heftige Regenschauer ausgebrochen und wir blieben eine Weile drinnen sitzen, was auch unsere Füße unsdankten.

Um das Museum aber dennoch nochmals aufzugreifen: 300 Kilometer westlich von Stavanger liegen die größten Ölvorkommen Norwegens.

Abends hatten wir dann alles gesehen, ins feuchte Zelt zurück wollten wir allerdings noch nicht. Da kam das Kino, dass wir zufällig in einem Einkaufszentrum entdeckt hatten, gerade recht. Also schlossen wir unsere Reise mit „Fluch der Karibik“ in 3D ab.

Bis auf ein paar Tropfen Wasser hatte das Zelt den Tag verhältnismäßig gut überstanden, aber die Nacht war dennoch unangenehm und ihr glaub gar nicht, was für ein tolles Gefühl es gestern Abend war, wieder im eigenen Bett zu liegen.

Aber dennoch: Die Reise hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und zu einer weiteren Rucksackreise bin ich jederzeit wieder bereit. Außerdem glaube ich, dass ich mich in Stavanger verliebt habe, die Stadt ist einfach super und ich glaube auch die erste norwegische Stadt, in der ich mir tatsächlich vorstellen kann, später mal zu leben.

Stavanger hat übrigens eine kleine Universität, eines der zwölf Studienfächer ist „Norwegische Sprache und Literatur“. Schreit das vielleicht nach einem Auslandssemester? Wer weiß, vielleicht sehe ich Stavanger schon in wenigen Jahren wieder.

Abreise...Tschüss Stavanger

Freitag, 20.05.2011

Ja, vi elsker dette landet

Auf den Nationalfeiertag habe ich mich schon meinen ganzen Norwegenaufenthalt über gefreut und letzten Dienstag war es endlich so weit. Am 17. Mai feiern die Norweger den Jahrestag ihres Grundgesetztes, das 1814 in Eidsvoll, eine Stunde nördlich der Hauptstadt Oslo, unterzeichnet wurde.

Die Freude war vor knapp 200 Jahre riesig in dem zerfurchten Bergland im Norden, denn schließlich standen die Norweger seit 1380 immer unter der Herrschaft Dänemarks und Schwedens.

Das Besondere am Nationalfeiertag ist in Norwegen, dass – anders als in Deutschland – das ganze Land auf den Beinen zu sein scheint und sich selbst feiert.

Für mich ging der Tag morgens um zehn mit meiner Familie los. Auf dem Weg in die Stadt fiel schon sehr deutlich auf, dass ein ganz besonderer Tag war. Jedes Haus war beflaggt und vor den Hauseingängen und an den Zäunen waren zur Dekoration nochmals extra kleine Fähnchen aufgehängt.

In der Stadt war schon allerhand los. An allen Ecken waren Musikkapellen am Spielen und durch die Fußgängerzone bewegte sich langsam ein Umzug aller Kindergärten der Stadt. Eltern und Erzieher mit Kinderwägen oder Kleinkindern an der Hand.

Die Menschen auf der Straße waren nicht nur in gewöhnliche Festtagskleidung gekleidet, viele hatten eine sogenannte „Bunad“ an. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Bunad; diese sind jeweils bestimmten Regionen zugeordnet. Norweger können entweder eine aus ihrem Geburtsort oder dem Geburtsort der Mutter oder des Vaters wählen. Die meisten Norweger bekommen die Tracht zur Konfirmation, da sie ein halbes Vermögen kostet – in der Regel um die 30.000 Kronen, das sind 3.800 Euro. Das liegt daran, dass spezielle Stoffe und Garne verwendet werden, alles – auch die Stickereien – handgemacht werden muss und nicht zu vergessen auch der schwere Silberschmuck.

Aber zurück zum Nationalfeiertag. Nach dem Kindergartenzug folgt als Höhepunkt in den meisten Städten und Gemeinden der „Barnetog“, der Umzug aller Kinder an den Schulen. Voraus laufen Flaggenträger, es folgen die Schulklassen und zwischendurch kommen immer wieder Musikkapellen und Chöre. Viele haben Pfeifen oder rufen „Folk i gata vær litt glad, bli med oss og rop hurra! Hurra!” – auf Deutsch sinngemäß: “Leute auf der Straße seid froh, macht mit und ruft hurra! Hurra!“.

Anfang des Kinderumzuges Musikkapelle Barnetog Frauen im Umzug in Bunad Mädchen in Bunad

Der 17. Mai ist der Tag der Kinder. Deshalb bekommen  diese auch so viel Eis und Würstchen, wie sie wollen.  Sie stehen auch im Mittelpunkt, denn sie sind  die schließlich Zukunft des Landes.

Manche Russ sind auch beim Kinderumzug dabei 

Nach dem Umzug werden auf dem Marktplatz die National- und die Königshymne angestimmt. Es folgt eine Rede des Bürgermeisters und dann sind die Kinder wieder an der Reihe. Eine fünfte Klasse betritt die Bühne, singt ein Lied und anschließend halten drei Schülerinnen eine kurze Rede. Die Erwachsenen sollten darauf achten, dass sie die Umwelt für ihre Nachkommen schützen und sich für den Frieden und Freiheit einsetzen.

Kinder singen auf dem Marktplatz

Für die Schüler und Kindergartenkinder geht es dann zu ihren Schulen und Kindergärten, wo man sich zu gemeinsam Spielen trifft und man noch mehr Würstchen und Eis essen kann.

Spiele an der Schule - warten auf den Kartoffellauf

Am 17. Mai spielt sich überall im Land viel Programm ab. Ich habe mich nach den Reden auf dem Marktplatz auf dem Weg zu einem Schauspiel gemacht, wo verschiedene, wichtige Personen, die an der Entwicklung des Norwegischen Staates oder der Sprache mitgewirkt haben, präsentiert wurden, unter anderem der Sprachforscher Ivar Aasen, Dichter Henrik Wergeland und Dichter und Politiker Bjørnstjerne Bjørnson. Das Schauspiel erwies sich am Ende eher als eine Anreihung von Reden und Liedern, war aber dennoch interessant.

Beim Schauspiel. Der Kirschbaum hat leider die Sicht verdeckt

Nach einem Abstecher zur Schule und Kaffeetrinken bei der Großmutter ging es zum letzten Umzug in der Stadt, und da sollte es lustig zur Sache gehen. Vielleicht habt ihr schon den Blogeintrag zu den Russ (einen weiter unten) gelesen, die haben nämlich auch einen eigenen Umzug. Kleine Gruppen von Russ in ihrem typischen Latzhosenoutfit (oder in rosafarbenem Hasenkostüm oder als Osama bin Laden verkleidet) wechseln sich mit den Russautos ab. Am Straßenrand stehen viele Kinder, die versuchen, noch so viele Russekort wie möglich zu sammeln, manche haben dafür sogar eine kleine Plastiktüte dabei (mehr Informationen über Russ gibt’s im Blogeintrag weiter unten).

Russumzug

Anschließend war noch ein Fest bei Luises Familie, dort gab es noch mehr Würstchen, noch mehr Eis und noch mehr Süßigkeiten.

Am Abend liefen im Fernsehen noch einmal Zusammenfassungen der Umzüge und Feiern aus allen möglichen Orten. Von Oslo, wo die Königsfamilie auf dem Balkon stand und allen Schulklassen, die vorbeigingen, zuwunk; von der Insel Svalbard kurz vorm Nordpol, wo es eisige -5 Grad hatte und den letzten Monat genau sieben Russ ihr Unwesen getrieben haben; aus New York, wo der Nationalfeiertag schon längst vorbei war; von der Hurtigrute (den Postschiffen), wo deutsche Touristen den 17. Mai gespannt mitverfolgten und und und…

Anders als in den meisten Ländern gibt es keine Militärparaden am Nationalfeiertag. Denn der 17. Mai gehört den Kindern, nicht dem Militär. Das einzige, was mit Militär zu tun hat, sind die Veteranenumzüge sowie die Königsgarde. Diese läuft im Zug mit, legt am Ende jedoch ihre Gewehre auf die Straße und fordert Frauen aus der Zuschauermenge zu einem Walzer auf.

Ich muss sagen, ich war vom Nationalfeiertag in Norwegen vollauf begeistert. So wie ich heraushören konnte, sind den Norwegern ihre Kinder, ihre Natur, ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit am wichtigsten. Und das ist auch das, was gefeiert wird. Es weder einer Fußballmeisterschaft noch eines Songkontests um auf sein Land stolz zu sein. Der Patriotismus in Norwegen ist ein ganz anderer als in Deutschland, und für mich einfach unbeschreiblich. Was die Menschen hier zeigen ist einfach zu 100 Prozent echt!

Donnerstag, 19.05.2011

Auch Norweger können mal ohne Ende feiern

Wenn man in Norwegen junge Menschen sieht, die an der Ampel plötzlich alle aus dem Auto springen und einmal im Kreis rennen, im Park nackt und eingeölt auf Plastikbahnen Hügel hinabrutschen oder ein roter, seltsam bemalter Bus zehn Mal um den Kreisverkehr düst, dann ist es entweder April oder Mai. Denn da sind die Russ los.

Einmal in ihrem Leben dürfen Norweger einen Monat lang so richtig feiern - und das ausgerechnet in dem Monat VOR ihren schriftlichen Prüfungen. Die baldigen Schulabgänger werden Russ genannt, sind mit farbigen Latzhosen gekleidet und fahren mit roten oder schwarzen Bussen durch die Gegend und bewältigen allerhand Aufgaben.

Die Feiern beginnen Mitte April, wenn die Russ ihre Mütze überreicht bekommen. An dieser Mütze ist eine Strippe, in die sie kleine Dinge oder einfache Knoten hineinknoten. Einen Knoten gibt es, wenn man eine der „Knuteregler“ erfüllt hat. Diese Regeln werden jedes Jahr von einem Russkomitee beschlossen, hier einige Auszüge:

  • sei 72 Stunden (drei Tage) wach
  • verteile in nüchternem Zustand Russekarten an Kinder im Krankenhaus
  • bade vor dem 1. Mai draußen
  • Kaufe mit Ski, Skistöckern und Wanderrucksack im Vinmonopol (Alkoholgeschäft) ein
  • stelle deine Uhr zwei Stunde vor und leben einen Tag nach dieser Zeit
  • trinke mit drei anderen Russ einen Kasten Bier in einer Telefonzelle
  • kaufe eine Packung Kondome und benutze dabei nur Körpersprache
  • fahre zehnmal um einen Kreisverkehr (notfalls hupen!)
  • frage die Mutter eines anderen Russ nach Sextipps
  • stehe im Unterricht alle fünf Minuten auf und rufe „Skål”
  • führe in einer 30er Zone eine Radarkontrolle mit Haarföhn und Warnweste durch
  • sitze eine ganze Schulstunde lang unterm Pult
  • sei einen Tag lang Sklave eines anderen Russes
  • Knutsche mit einem Russ gleichen Geschlechts
  • fünf Minuten lang Poledance an einer Stange in einem öffentlichen Verkehrsmittel
  • fahre mit einem Einkaufswagen in den McDrive und kaufe ein Happy Meal
  • gebe einer ersten Klasse (entspricht hier der 10. Klasse) Unterricht in Sexualkunde (und zeige die Bewegungen)
  • lege dich zu der Mutter/Vater eines Mitruss ins Bett, wecke ihn/sie und danke für gestern
  • laufe in eine Bank, ziehe eine Flasche Tran aus der Tasche und rufe „Das ist Tran!“ (hört sich auf Norwegisch ähnlich an wie „das ist ein Überfall“)
  • lasse 10 Russ des anderen Geschlechts auf deiner Unterhose unterschreiben
  • Küsse einen Polizisten/eine Polizistin
  • habe ein romantisches Date in der Schulkantine in der großen Pause (mit Blumen und Kerze)

Auch wenn es hier nicht so ganz raussticht, die meisten Regeln drehen sich um Alkohol und Sex, und werden daher oft in den Medien kritisiert, aber immerhin hat jeder noch nen Kopf um selbst zu denken und kann selbst entscheiden, was er machen will und was nicht.

Es gibt verschiede Arten von Russ. Die meisten heißen Rødruss und sind rot gekleidet, das sind die Schüler von den allgemeinbildenden Gymnasien. Blåruss (blau) kommen vom Wirtschaftsgymnasium, Svartruss (schwarz) machen eine Berufsausbildung und Grønnruss (grün) machen eine Ausbildung an einer landwirtschaftlichen Schule. Was alle Russ neben der Mütze gemeinsam haben, ist die Hose, die an eine Latzhose erinnert und die jeweilige Farbe des Russ‘ trägt. Zudem sind der Name des Russ' und Bilder darauf gedruckt.

An der Hose ist eine Art Bauchtasche mit Norwegenflaggenaufdruck, in der die Russ ihre Russekort aufbewahren. Das sind Visitenkarten mit einem Bild des Russ und einem persönlichen Russmotto. Diese Karten werden nicht nur an Verwandte und Freunde verteilt, sondern auch von Kindern gesammelt. Wenn ein Kind einen Russ trifft, geht es in der Regel hin und fordet eine Karte ein. Wir haben hier auch schon einen riesen Stapel angesammelt!

Russ brauchen natürlich auch ein Fortbewegungsmittel, um ständig mobil zu sein. Dazu gibt es traditionell spezielle Kleinbusse, die in der Regel rot oder schwarz sind. Die stoppen dann immer irgendwo mit einer Horde Russ und dann wird die Musik ordentlich aufgedreht und gefeiert.

Den Abschluss der Russzeit bildet der Nationalfeiertag (der 17. Mai). Am Nachmittag findet dort in allen Städten ein Umzug der Russ statt. Dort verkleiden sich die Russ und machen Blödsinn, tragen Schilder mit mehr oder weniger geistreichen Sprüchen mit sich herum, verteilen die übrigen Russekort an Kinder und bespritzen Zuschauer mit Wasser aus Wasserpistolen. Eigentlich sollen die Russ auf dem Umzug ein politisches Thema aufgreifen, was diese aber eigentlich nicht machen. Deshalb beurteilen viele Erwachsene, die ja früher auch alle Russ waren, die heutigen Russumzüge als schlecht. Naja, einige haben dann doch etwas aktuelles aufgegriffen und sich als Osama bin Laden oder Terrorist verkleidet. War dann aber wohl doch nicht ganz das, was sich die Älteren vorgestellt haben...

Rødruss Aktuelles Thema? Hier kann man die Mützen sehen Typisches Fortbewegungsmittel der Russgrüne Russ von der Landwirtschaftsschule Diese Jungs laufen den Umzug boxend Noch eine Alternative zum Bus

(An alle, die an dieser Stelle endlich den Artikel zum Nationalfeiertag ertwartet hätten: Ich arbeite schon wie verrückt dran, aber jetzt mussten der Reihenfolge nach erstmal die Russ kommen, hoffentlich dann wirklich morgen der 17. Mai)

Freitag, 29.04.2011

Frühlingsbilder

Hier sind ein paar Bilder vom zarten Frühling in Hamar. Vorgestern im Wald und heute am Strand entstanden. Der Wald ist auch endlich eisfrei und man findet die vielen kleinen Trampelpfade wieder, die sich quer durch den Wald schlängeln.

 

die ersten Blümchen aus dem Wald

Freitag, 29.04.2011

Urlaub in Deutschland

Unglaublich, wie sich Norwegen während meines Urlaubes in Deutschland verändert hat. Es blühen endlich die ersten Blümchen, das Gras auf den Wiesen ist wieder grün und der Mjøsa ist endlich wieder eisfrei. Ich möchte anmerken, dass ich nur zehn Tage weg war und vor dem 15. April der Frühling nicht einmal andeutungsweise zu spüren war.

Umso überraschender war es, in Kiel das hohe Gras, die blühenden Bäume und die Osterglocken zu sehen. Schön, endlich mal im T-Shirt rauszugehen, Eis zu essen und die Sonne zu genießen! Aber das muss ich euch wahrscheinlich gar nicht erzählen, ihr wisst ja, wie das Wetter in Deutschland ist.

Die Fahrt nach Deutschland lässt sich mit einem Wort beschreiben: anstrengend! Morgens um halb elf bin ich losgefahren. Mit dem Zug von Norwegen nach Schweden. Eine sechsstündige Fahrt. Am Bahnhof hab ich auf Frank gewartet, mit seiner Mutter und seinem Bruder sollten wir weiter im Auto nach Deutschland fahren. Mit der Fähre von Göteborg nach Fredrikshavn im Norden Dänemarks. Von Dänemark dann nach Kiel. 24 Stunden hat die Reise für mich etwa gedauert…

In Kiel haben wir bei Franks Vater gewohnt und dort angekommen erst mal schön gefrühstückt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut frische Brötchen vom Bäcker schmecken können, wenn man aus Norwegen nur die aufgebackenen Knautschdinger aus dem Supermarkt gewohnt ist (hier gibt es nämlich keine Bäckereien).

Noch viele andere Dinge fallen einem an Deutschland wieder auf, wenn man nach acht Monaten mal wieder zurückkommt:

  • Essen ist bezahlbar und es gibt u.a. Rahmspinat und in der Spargelsaison weißen Spargel
  • ein vegetarisches Gericht kann auch vollwertig sein!
  • Es gibt synchronisierte Filme im Fernsehen
  • Alkohol ist geschätzte fünf Male billiger (Beispiel: Flasche Gin in Norwegen 400 kr = 50 € - in Deutschland 9.99 €)
  • Alkohol gibt es in ganz normalen Supermärkten

Aber es fallen auch negative Aspekte auf:

  • Viel zu viel Verkehr
  • Keine freien Parkplätze auf einem Parkplatz
  • Lange Schlangen an den Kassen in den Läden
  • Prozentual sicher viel mehr seltsame und unfreundliche Menschen
  • Es ist nicht so sauber und aufgeräumt wie in Norwegen
  • lange Haare wegen des Windes unangenehm
  • Bezahlen mit VISA-Karte dauert entweder zu lang, ist umständlich oder ist erst gar nicht möglich!
  • Fischbrötchen!!!

Außerdem muss ich mir abgewöhnen, in Deutschland so laut zu lästern, die meisten Menschen verstehen ja wieder, was ich sage…

Die Tage in Kiel (+Preetz und Fehmarn) verbrachten wir mit Party machen, Grillen, durchs Kaufhaus zu schlendern und den Frühling zu genießen.Und ich habe es über die ganzen Ferien über genossen, Essen zu kochen, das es in Norwegen nicht gibt, oder das dort zu teuer ist.

Donnerstagmorgen waren wir noch kurz bei der Uni und haben diese besichtigt. Zwar sind das Nordische Institut und das Institut für Deutsche Philologie ausgerechnet in den allerhässlichsten Gebäuden des Campus‘ untergebracht, aber als Studentenstadt würde mit Kiel sicher gefallen (wenn die Schleswig-Holsteiner endlich mal ihren Wind abstellen würden).

Anschließend ging’s am Donnerstag weiter nach Nordstrand, das ist eine Insel in der Nordsee. Dort hatten wir eine schöne, gemütliche Ferienwohnung gleich gegenüber einer großen Windmühle und eines Deiches mit vielen Schäfchen.

Die Zeit dort haben wir genutzt und die Stadt Husum zu besichtigen und an die Strände zu fahren um dort in der Sonne zu liegen oder entlang der Deiche zu spazieren.

Ostersonntag und Ostermontag war ich dann etappenweise auf Heimreise – was auch wieder eine halbe Ewigkeit gedauert hat. Aber für den Urlaub hat es sich gelohnt.

Jetzt arbeite ich noch zwei Monate in Norwegen. Ich habe mir fest vorgenommen, diese Zeit jetzt noch in vollen Zügen zu genießen und so viel wie möglich zu lernen, vor allem, was die norwegische Sprache anbelangt. Und wie es aussieht, bin ich Anfang Juli dann schon wieder in der Heimat (bevor es dann hoffentlich nach Kiel zur Einschreibung geht).

 

Samstag, 26.02.2011

Ab in den Süden! - Nach Schweden

Diese Woche waren Ferien in Norwegen und ich konnte mir ein paar Tage frei nehmen um zu meinem lieben Freund nach Schweden zu fahren. Wie beim letzten Mal schon waren wir in Göteborg, der zweitgrößten Stadt des Landes verabredet. Durch ein Angebot der norwegischen Bahn musste ich pro Fahrt nur 199 Kronen bezahlen, also etwas unter 25 Euro. Das ist weniger als der Normalpreis nach Oslo.

Auf der sechsstündigen Fahrt wurde der Schnee immer weniger, bis angekommen in Göteborg nurnoch einige graue Häufchen (und Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt) an den Winter erinnerten. Frühling in Schweden also! ;-)

Die Stadt bietet unzählige Einkaufshäuser und Geschäfte, durch die man schlendern kann und überall gibt es Lunchbuffets, die man sich sogar leisten kann. Trotz seiner Größe hat Göteborg nicht allzu viel an Sehenswürdigkeiten im Zentrum zu bieten. Nennenswert sind aber die Oper, die direkt am Wasser gebaut ist und das Wheel of Goteborg – ein Riesenrad, mit dem wir aber schon im November gefahren waren.

Oper Hafen Ausfluchtsboot? - Verwirrende schwedische Sprache...  Wheel of Goteborg Oper  da hat wohl jemand seine Wäsche zum Trocknen aufgehängt :D 

Abends ging es dann etwas weiter in den Norden, nach Lidköping, das an der Südspitze des Vänern, Schwedens größtem Binnensee, liegt.

Was an Schweden besonders positiv auffällt, sind zum einen die billigen Preise (Mozarella und Bacon!!!), zum anderen die Öffnungszeiten, denn viele Geschäfte haben auch sonntags geöffnet.

Jedoch scheinen die Schweden einen ernsthaften Sprachfehler zu haben. Ansonsten würden sie nicht so falsches Norwegisch sprechen :D

Am Sonntag machten wir uns zu einem Spaziergang auf dem See auf. Soweit das Auge reicht, sieht man nur eine Fläche aus Eis, der Vänern ist so groß, dass man nicht bis ans andere Ufer sehen kann. Auf der Karte könnt ihr ja mal Schwedens größten See mit dem Mjøsa vergleichen, der hier in Hamar seine maximale Breite von 15 Kilometern erreicht.

Durch starken wind haben sich kleine Zacken auf der Oberfläche gebildet und immer wieder trafen wir auf knietiefe Spalten im Eis.

 Autorennen auf dem See 

 Seltsame Eisgebilde...    

Montagmorgen war ich auf einer kleinen Auto- und Spaziertour mit Franks Mutter, die mir die Gegend um Lidköping etwas gezeigt hat, wo es viele kleine Kirchen, Höfe und  rote Holzhäuschen gibt. Anschließend führen wir auf eine Hütte, wo es ein leckeres Lunchbuffet gab.

 alter Steinbruch 

   

Mittwochmorgen um zehn Uhr trat ich dann schweren Herzens wieder die Heimreise an, die diesmal länger als die Hinfahrt dauern sollte – wegen der langen Wartezeiten in Göteborg und Oslo. Um halb acht abends war ich endlich zu Hause.

Sieben Wochen sind Frank und ich jetzt getrennt, dann fahren wir von Schweden aus in die Ferien nach Deutschland. Da freu ich mich schon drauf :-)

Übrigens hat dieses Wochenende die Ski-WM in Oslo begonnen, und davon merkte ich am Samstag und Mittwoch beim Umsteigen schon einiges. Die Hauptstadt ist im Ski-Fieber. Überall sind Plakate, Infostände und Menschen mit Skiausrüstung (ob das im Winter Standart ist oder sich alle von der Euphorie anstecken lassen und selbst aktiv werden, lass ich mal so stehen).

Jedenfalls bekomme ich nächste Woche Besuch von meinem Bruder und meinem Vater und wir werden uns das Teamspringen am Holmenkollen anschauen. Da freue ich mich auch jetzt schon drauf :D und von der Ski-WM werde ich euch natürlich auch noch berichten, wenn es so weit ist.

Samstag, 26.02.2011

Kakao auf dem "Bücherfest"

Viele Buchhandlungen in Norwegen haben eine Besonderheit, über die ich eigentlich schon lange in meinem Blog berichten wollte: Man kann dort nicht nur Bücher kaufen, sondern sich mit einem Buch in ein dort integriertes Cafe setzen und lesen.

Das Café ist oft nochnichtmal besonders von der Buchhandlung abgegrenzt. Nicht selten stehen direkt neben einem Bücherregal ein Tisch mit Stühlen.

Während die Buchhändler in Deutschland viel zu besorgt wären, dass auf einem der neuen Bücher etwas verkleckert werden könnte, weist im „Gravdahl“ in Hamar sogar ein kleines Täfelchen darauf hin, dass man gerne in einem Buch blättern darf, während man seinen Kaffee trinkt. Richtig gemütlich!

Letzte Woche am Donnerstag hat der größte Bücherausverkauf des Landes – der "Mammutsalg" - begonnen. In den Buchhandlungen ganz Norwegens kann man unter 800 Titeln auswähnen, die bis zu 80% reduziert sind.

Da viele interessante Bücher darunter waren – und weil Bücher in Norwegen ansonsten sehr teuer sind – war ich gleich am Morgen des ersten Verkaufstages mit Marie und Luise auf den Beinen. Nachdem wir alles gefunden hatten, das wir uns zuvor im Prospekt angestrichen hatten, setzen wir uns mit Kakao und Cappuccino an einen Tisch, wo wir bald entdeckt wurden: Im Laden war auch eine Redakteurin der Lokalzeitung, die zu uns kam und fragte, was wir uns kaufen wollten und weshalb. Am Ende machte sie ein Foto von uns, und fand unsere Geschichte wohl so interessant, dass sie gleich 2/3 des Artikels, der am nächsten Tag erschien, und widmete. Hier findet ihr einen Link zu diesem und die Übersetzung:

http://h-a.no/Nyheter/Nyheter/tabid/72/Default.aspx?ModuleId=109519&articleView=true

Snorre auf dem Buchfest des Jahres ergattert

Marie M. (19) aus Deutschland war zeitig auf und sicherte sich Snorres Königssagen, als das jährliche Buchfest Donnerstagmorgen begann.

HAMAR: „Ich bin froh, dass ich dieses hier bekommen habe“, strahlt das junge Mädchen und zeigt auf das dicke rote Buch mit der Goldschrift.

Zusammen mit den deutschen Freundinnen Isabelle W. (19) und Luise B. (20) konnte sie bereits um zehn Uhr die Bücherjagd mit einer Tasse Kaffee im Café Gravdahl feiern.

„Ich werde ab Herbst an der Universität in Köln nordische Sprachen studieren und da brauche ich Snorres Königssagen“, erklärt Marie.

 Die drei Mädchen sprechen fließend norwegisch, nach nur einem halben Jahr als Au Pair in Hamar. Nun sollen die Norwegischkenntnisse die Studien im Heimatland weiter stärken. Der Einkaufskorb und der Tisch waren ansonsten voll mit Titeln geprägt von Größen wir Sigrid Undset, André Bjerke und Henrik Ibsen. „Wir haben uns vieles von dem, das auf dem Pensum steht, gesichert.“

…”

(Anmerkung: Marie will in Kiel studieren, nicht in Köln)

Sonntag, 13.02.2011

Mit Skiern an den Füssen geboren

Eine norwegische Redensart sagt, Norweger würden mit Skiern an den Beinen geboren – für die Mutter bei der Geburt sehr anstrengend, wie meine Norwegischlehrerin immer wieder betont! Dieser Redensart will man nur zu gerne Glauben schenken, vor allem, wenn man auf seiner Wochenendtour sieht, wie Kleinkinder ihren Eltern auf zwei Brettern hinterher watscheln – und währenddessen an ihrem Schnulli nuckeln.

Der Skilanglauf ist Norwegens Nationalsport und vor allem an den Wochenenden zieht es die Norweger in Scharen in die Berge, wo kilometerlange Loipen gezogen werden. Es ist ja nicht so, dass es in der Nähe keine Möglichkeiten zum Langlaufen gäbe. Sobald man aus der Stadt hinauskommt findet man überall Spuren.

Auf dem Eis des Sees kann man eine bis zu zehn Kilometer lange Tour unternehmen, im Ankerskogen Park kann man Runde um Runde drehen und ebenfalls auf den Feldern rund um die Stadt sind schier endlos lange Loipen gezogen. Damit selbst du Dunkelheit den Skiläufern keinen Strich durch die Rechnung machen kann, brennt im Wald bis 23:00 Uhr das Licht entlang der gespurten Wege.

Loipe auf dem Mjøsaeis

Sonntag Nachmittag am Rande des Sees

Nicht selten sieht man Langläufer, die sich von ihrem Hund ziehen lassen. Oder Langläufer, die einen kleinen, speziellen „Schlitten“ (pulk) hinter sich herziehen, in dem ein kleines Kind schläft, das seine Auswüchse an den Füssen noch nicht gebrauchen kann, weil es noch nicht stehen kann.

All die oben genannten Loipen kann man, wenn man in Hamar lebt, in weniger als zehn Minuten mit dem Auto erreichen. Für besondere Ausflüge fährt man aber auch gerne weiter, zum Beispiel nach Gåsbu, das etwa 15 Kilometer entfernt liegt.

So sind auch Marie und ich am Wochenende los gegen drei Uhr los und waren gut ausgerüstet: Eine Termoskanne voll Kakao, Rosinenbrötchen, belegte Käsebrote und ganz wichtig: zwei Kvikk Lunsj – die Schokoriegel, die so sehr zu einer norwegischen Tour gehören wie – je nach Jahreszeit – ein paar Skischuhe oder Wanderstiefel.

In Gåsbu kann man verschiedene Touren zu verschiedenen Hütten wählen. Die Hütten sind bewirtschaftet und man kann sich dort kalte und warme Getränke, Zimtbrötchen, Waffeln oder Schokolade kaufen.

Typisch für die Norweger ist aber, sich am Wochenende schon früh auf den Weg zu machen. Spätestens um vier sind alle auf dem Weg nach Hause, weil es dann Essen gibt. Marie und ich hatten also freie Fahrt auf den Loipen, da wir relativ spät dran waren. Konnten dafür aber auch einen wunderschönen Sonnenuntergang bewundern, als wir auf dem Weg nach Hause waren.

Marie - nach ihrem tapferen Aufstieg

Kvikk Lunsj - immer dabei auf Verpflegung für unterwegs

Die letzten Strahlen der Sonne scheinen durch die BäumeBlick von der Hütte aus

Eine Sache hat uns allerdings wirklich schockiert: Wir verstehen es ja, dass man sich nach dem Sport umzieht, wenn man verschwitzt ist. Dass man sich aber nach dem Skilaufen auf dem Parkplatz bei minus sieben Grad komplett umkleidet anstatt das Auto aufzuheizen und schnell nach Hause zu fahren, werden wir wohl nie verstehen. Tja…die Norweger sind eben ein hartes Völkchen.

Mittwoch, 12.01.2011

Weihnachten

So, hier endlich er nächste Teil zum Thema "Weihnachten in Norwegen".

Der Weihnachtsfeiermarathon beginnt anders als in Deutschland nicht erst am Abend der 24. Dezembers. Bereits am 23. wird der "kleine Weihnachtsabend" - der "Lille Julaften" - gefeiert. Geschenke gibt es hier innerhalb der Familie für gewöhnlich noch nicht. Aber der Tag wird genutzt, um das Haus zu putzen und Abends alles schick für Heiligabend zu machen. Zu der Adventszeitdekoration gesellen sich dann noch mehr Kerzen, Rehntiere, Glasbäume, Tannzweige und Schälchen mit Süssigkeiten oder Nüssen.

Zur Dekoration gehört natürlich auch das Schmücken des Weihnachtsbaumes. Neben Christbaumkugeln, Strohsternen, selbstgebastelten Firguren und Lichterkette finden sich in den skandinavischen Ländern auch häufig die entsprechenden Nationalflaggen am Baum. Mit übertriebenen Partiotismus, wie dies vielleicht so mancher Deutscher interpretieren würde (denn werhängt sich schon schwarz -rot -gold an den Weihnachtsbaum?) haben die kleinen Fähnchen allerdings wenig zu tun. In Skandinavien wird die Flagge gern an Festen gehisst, da man sie mir Freiheit und Freude verbindet.

Wenn ich schon beim Thema Schmücken bin, muss ich noch erwähnen, dass mir die Weihnachtsbeleuchtung an norwegischen Häusern sehr gut gefällt. Denn sie ist einfach...schlicht! Kein buntes, kitschiges Geblinke, keine Weihnachtsmänner, die in Häuser einbrechen. Bei uns am Balkonfenster hängt ein Papierstern, in dem eine Glühbirne brennt. Am Apfelbaum im Garten hängt eine schlichte Lichterkette. und das entspricht etwa dem Durchschnitt an Weihnachtsbeleuchtung, die ein Norweger so zeigt. Klingt nicht nach besonders viel, aber manchmal ist weniger einfach mehr.

Um aber wieder zurück auf den Lille Julaften zu kommen. Abends läuft im Fernsehen ständig ein Film, den jeder von euch schon mindestens tausend mal gesehen hat: Dinner for One. Warum der ausgerechnet am 23. Dezember läuft und nicht wie in den meisten anderen Ländern, in denen er bekannt ist, nicht an Silvester konnte mir keiner erklären.

Mit Fernsehen geht es auch am nächsten Morgen weiter. Da läuft jedes Jahr "Tre nøtter til Askepott" - "Drei Nüsse für Aschenputtel" würde ich es übersetzen, wie der deutsche Titel tatsächlich lautet, weiss ich nicht auswendig. Es ist einer dieser alten, osteuropäischen Märchen, die Sonntags um zwölf im KiKa kommen ;-) Die Synchronisation ist übrigens sehr irritierend, da im Hintergrund die Orignialsprache läuft und der Erzähler alle - wirklich ALLE - Charaktere spricht.

Ansonsten werden den ganzen Tag lang Disneyklassiker ausgestrahlt, was den Kindern vielleicht die Zeit bis zur Bescherung etwas verkürzt.

Weihnachten ist auch in Norwegen ein Familienfest und so kommt - wenn möglich - an Weihnachten die ganze Familie zusammen. Traditionell wird nach dem Kirchenbesuch um punkt fünf Uhr abends gegessen.

Meine Familie geht an Weihnachten nicht in die Kirche, aber eigentlich hatte ich mal Lust, einen norwegischen Gottesdienst zu besuchen. Also schaute ich in der Zeitung nach den Uhrzeiten und las, dass um 15:00 Uhr einer in der Domkirke stattfinden sollte. Also habe ich mich ins Auto gesetzt und bin zu der Ruine im Museum gefahren. Die kennt ihr sicher aus älteren Einträgen, das ist die Ruine mit dem Glasdach. Als ich allerdings ankam, war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Mein Fehler: Domkirke heisst die weisse Kirche in der Innenstadt. Die Ruine ist der Hamardom. Tja, doof. Naja, wenigstens sind ein paar schöne Winterbilder entstanden.

Drei traditionelle Gerichte sind besonders als Weihnachtsmahlzeiten verbreitet:

1. Ribbe: Ein grosses Stück Schweinerippe wird in einem (wie ich finde) aufwändigem Verfahren im Ofen gebacken. Die oberer Schicht wird im Laufe des Bratvorganges eingeschnitten und so bildet sich eine leckere, knusprige Schicht. Der Geschmack erinnert etwas an die gute, bayrische Haxn und Ribbe ist eindeutig mein Favourit unter den norwegischen Weihnachtsgerichten. Laut Wikipedia wird sie in 60 Prozent der norwegischen Haushälte an Weinachten gegessen - besonders im Østlandet, wo ich auch wohne. 3 000 000 Kilogramm Ribbe sollen die Norweger davon in der Weihnachtszeit verdrücken.

Ribbe wurde bei uns an Weihnachten mit selbstgemachtem Sauerkraut sowie selbstgemachten Rotkohl und Kartoffeln serviert. Dazu natürlich Julepølse und Lompe (siehe vorheriger Blogeintrag). Zum trinken gab es Julebrus und Aquavit. Zum Nachtisch gab es "Moltekrem", das ist Sahne mit Moltebeeren. Moltebeeren sind orangefarbende Beeren, die nur im Norden im Gebirge wachsen und einen sehr nussigen Geschmack haben. Sie sind aufwändig zu pflücken uns selten, deswegen sind sie teurer als normale Beeren und eine Delikatesse.

Mein Weihnachtsessen

2. Pinnekjøtt: In den Genuss von Pinnekjøtt kam ich am ersten Weihnachtsfeiertag. Es handelt sich um gepökeltes, getrocknetes (und evtl. geräuchertes) Schafsfleisch an einem Knochen (ebenfalls Rippe, glaube ich). Am Tag vor der Zubereitung beginnt man, das Fleisch aufzuweichen und vor dem Verzehr muss es nochmals stundenlang in einer Brühe kochen. Ausserdem muss man damit rechnen, dass das Haus danach nach Schaf riecht. Aber sollte euch mal Pinnekjøtt vorgesetzt werden: Es schmeckt nicht so schlecht, wie es riecht ;-) Eigentlich ganz lecker :-)

Zu Pinnekjøtt wird ein Mus aus Kohlrabi und Karotten sowie Kartoffeln serviert. Wie bei Ribbe sind auch hier oft Julepølse mit Lompe dabei.

 3. Das dritte traditionelle Weihnachtsessen ist Lutefisk - zu deutsch "Laugenfisch". Dies ist ein einer Lauge aufgewechter Trockenfisch, der zusammen mit Speck, Erbsengrütze und Kartoffeln serviert wird.

Wärend Pinnekjøtt nach Ribbe das zweitmeist gegessene Weihnachtsessen ist, landet Lutefisk nur auf Platz vier, geschlagen von der "Pizza Grandiosa", einer nicht wirklich guten, norwegischen Tiefkühlpizza.

Währen die Erwachsenen noch ihn Essen geniessen, können die Kinder es kaum erwarten, endlich die Geschenke auszupacken. Nachdem der Tisch abgeräumt ist, finden sich alle im Wohnzimmer ein, wo schon seit dem Lille Julaften die ersten Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen. Mittlerweile hatte sich bei uns ein riesen Haufen angesammelt, kein Wunder bei so vielen Leuten. Alle vier Grosseltern waren bei uns zu Besuchen, sowie Onkel und Tante mit ihren beiden Kindern.

Die Bescherung begann damit, dass eines der Kinder ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum heraussuchte und vorlas, von und für wen das Geschenk sei. Und so wurden nacheinander alle Geschenke verteilt und ausgepackt. Der ganze Prozess hat gut zwei Stunden gedauert, aber es war schön mit anzusehen, was sich die Familienmittglieder gegenseitig für einander ausgedacht hatten und wie sich alle freuten. Und der Julenisse (Weihnachtsmann) hatte auch an mich gedacht, denn auf dem ein oder anderem Päckchen stand auch mein Name.

Anschliessend, es war bereits halb neun, gab es Kaffee und Kuchen. Ja, Kaffee! Ihr glaubt gar nicht, zu welchen Zeiten Norweger Kaffee trinken können. Nebenbei möchte ich noch bemerken, dass Norwegen das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum pro Kopf ist. Zum Kuchenbuffet gehörte auch ein Julekrans (siehe Bild), der in Norwegen zu Weihnachten einfach dazugehört - natürlich auch gebührend dekoriert.

Als die Gäste dann gegangen waren, habe ich den Rest des Weihnachtsabends am Telefon oder mit Skype verbracht, um nach Deutschland und Schweden zu telefonieren und liess so den Abend schön ausklingen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag fuhren wir zu den Grosseltern müttlericher Seits, wo es das oben beschriebene Pinnekjøtt gab. Auch im Haus der Grosseltern gab es einen Weihnachtsbaum, der jetzt zu einem Weihachtsbrauch der Skandinavier herhalten musste: Das tanzen um den Weihnachtsbaum. Dabei nehmen sich alle an den Händen, so dass sich ein Kreis um den Baum bildet. Dann singen alle um den Weihnachtsbaum und tanzen dabei im Kreis. Blöderweise kenne ich die Texte der meisten Lieder nicht :-D

Wenn ihr ein norwegisches Weihnachtslied, dass sich zum Um-den-Weihachtsbaumtanzen eignet, dann findet ihr hier meinen Favourit: http://www.youtube.com/watch?v=i9y-__SgU0o

Eine Sache wär da noch, die in Norwegen zu Weihnachten dazugehört: Das Julebord. Das sind "Betriebsfeiern", bei denen der ein oder andere Norweger gerne das ein oder andere Glas Wein/Bier zuviel trinkt. http://www.youtube.com/watch?v=x6hJqBsh5eM Bei dem Video auf 2:30 Minuten vorspuhlen. Das ist ein Film, der auf dem NRK lief. Ein norwegischer Comedian spielt hier sämtliche Bewohner einer Plattenbausiedlung, die sich auf Weihnachten vorbereiten. Der Mann mit den langen Haaren soll übrigens einen Finnen darstellen. Das Bild vom typischen Finne ist für die Norweger das selbe wie für die Deutschen: Finnen sind langhaarig und betrunken und fluchen ständig :-D

Freitag, 07.01.2011

Vorweihnachtszeit

Etwas verspätet gibt es heute einen Eintrag über Weihnachten und Neujahr in Norwegen. Während des Schreibens ist mir aufgefallen, wieviel Platz ich für die Adventszeit schon verbraucht habe. Also mach ich drei Teile. Hier schon mal der erste, ich hoffe, ich komme dieses Wochenende noch zu den anderen zwei.

Weihnachten beginnt in Norwegen, wie in den meisten anderen europäischen Ländern wohl auch, in den Supermärkten. Zum Glück nicht so krass wie in Deutschland, wo man Schokoweihnachtsmänner schon bald nach den Sommerferien finden kann.

Mitte Oktober haben sich ganz leise die ersten Pfefferkuchen eingeschlichen, die es beim Kiwi für 10,90 Kronen gab (1,20 Euro etwa) und die ich massenweise in mich reingefuttert habe, dass ich im November schon genug von dem Zeug hatte.

Oktober in Lillehammer

Mitte November wurde das Weihnachtssortiment in den Läden grösser und grösser. Es gab jetzt nicht nur massenweise Weihnachtsgebäck, Schokolade, Marzipanschweinchen, die typische Julepølse*  Julebrus* oder Gløgg*. Nein, plötzlich sind auf allen Verpackungen Weihnachtsmotive und zu gewöhnlichen Lebensmitteln taucht auf einmal einmal eine Weihnachtsversion auf. So trägt die Orange auf der Orangensaftverpackung eine rote Weihnachtsmannzipfelmütze, auf den Milchkartons waschen die Weihnachtswichtel zum Text eines traditionellen Weihnachtsliedes das Haus und der Gudbrandsdalbrunost erscheint als Sonderausgabe mit Rosinen. So könnte ich ewig weitererzählen.

Originalverpackung - Weihnachtsverpackung

*Julepølse ist eine dicke, lange Wurst, die früher aus Innereien hergestellt wurde, mittlerweile gibt es sie aber auch appetitlicheren Tierteilen. Wird in der Pfanne gebraten und in Stücke geteilt. Dann wickelt man sie oft in Lompe - einen norwegischen Kartoffelpfannkuchen, den man das ganze Jahr über isst, von dem es aber natürlich auch eine spezielle Weihnachtsversion gibt.

*Julebrus bedeutet Weihnachtslimonade. Sie ist ist pappsüss und schmeckt nach flüssigen Kindersüssigkeiten (Gummibärchen, Kaugummis...). Wurde früher in Hamar und Lillehammer gebraut, wird mittlerweile aber in Oslo hergestellt.

*Gløgg kann man annähernd mit Glühwein vergleichen. Ein heisses, (meist alkoholhaltiges) Weihnachtsgetränk. Man kann ihn fertig in Flaschen kaufen, oder als Konzentrat, das man mit Rotwein (für den Alkohol) oder mit Saft (?) mischt. In Schweden habe ich auch einen hellen Apfelglögg (in Schweden mit ö) gefunden. Allerdings nur mit 2,2%. Zum Glögg gehören Rosinen und gehackte Mandeln. Die werden mit dem Löffel rausgelöffelt.

Was es in den Läden leider nicht gibt: Lebkuchen! Die habe ich sehr vermisst, aber ich wurde zwischendurch ja von Deutschland aus versorgt. Danke an meine Familie in der Heimat. Dominosteine gibt es auch nicht. Die mag ich auch nicht, aber es ist mir halt aufgefallen ;-)

Gebacken wird hier während der Weihnachtszeit auch, aber ich glaube, nicht so viel wie in Deutschland. Ein Muss sind natürlich Pfefferkuchen. Ein norwegisches Sprichwort besagt, zu Weihnachten müsste man sieben verschiedene Sorten backen (um Glück zu haben? den Grund habe ich vergessen). Dass das viele Norweger machen, bezweifel ich, denn meine Familie war, glaube ich, ziemlich verwirrt über die Tatsache, dass ich kiloweise Plätzchen produziert hatte.

Mit den Kindern und Marie habe ich ein Pfefferkuchenhaus gebastelt. Die Teile dazu kann man überall im Laden kaufen. Hat Spass gemacht :-) Hatte leider zu wenig Verzierung, laut Meinung der Kinder hätten beide Häuser noch viel überschmückter sein müssen.

Was in der Weihnachtszeit etwas gefehlt hat, waren die Weihnachtsmärkte. Die gibt es hier nicht so wie in Deutschland. Es gibt zwar kleinere Märkte, aber die sind oft in Häusern oder überdacht. Und dauern auch nicht die ganze Weihnachtszeit durch. Und es gibt keine Glühweinstände.

An einem Wochenende war Kunsthandwerkermarkt in einem der Häuser im Hedmarksmuseum. War sehr gemütlich mit Kamin in einem Raum, Kaffee und Kuchen und schönen Verkaufstischen, aber vom deutschen Weihnachtsmarkt um Welten entfernt.

Zur Weihnachtszeit ist aber die Lysfabrikk (Kerzenfabrik) in Løten, etwa 20 Minuten von Hamar, ein Pflichttermin. Hier sind auf vier Etagen Kerzen zum Verkauf ausgestellt. Verbunden mit wunderschöner Weinachtsdekration. Wenn ich in den letzten Wochen nicht so Schreibfaul gewesen wäre, hätte die Fabrik sich einen eigenen Blogeintrag verdient. Vielleicht kommt der ja die Tage noch nach, wenn ich Bilder von Marie habe.

Was man aber allgemein über die Vorweihnachtszeit in Norwegen sagen kann: Alle lehnen sich ein bisschen zurück, dekorieren das Haus schön (nicht so kitschig wie in Deutschland zum Teil), essen sehr leckeres, traditionelles Essen und lassen es sich einfach gut gehen. Schon ein bisschen schade, dass eigentlich alles schon wieder vorbei ist.

Donnerstag, 06.01.2011

Spurenrätsel

Was ist das?

Ratet mal, zu welchen Tier diese Spur gehört. Fotografiert habe ich die direkt vor meiner Haustür, nachdem Luise heute morgen zu mir gekommen ist.

Ratet auch mal, wer das Tier gesehen hat und wer nicht :(

 

 

 

Auflösung: Es war natürlich ein riesen Elch. Der scheint sich allerdings in Luft aufgelöst zu haben, nachdem ich aus den Haus gekommen bin.

Donnerstag, 09.12.2010

Ungekannte Temperaturen

Die Zeitabstände zwischen neuen Blogeinträgen werden immer länger und länger. Das liegt nicht daran, dass mir nichts Neues einfällt, sondern dass einfach die Zeit meistens nicht reicht oder der PC solange rumzickt, bis ich keine Lust mehr hab und abbrech. Zu einem guten Blogeintrag gehört ja nicht nur Text. Man muss Bilder aussuchen, evtl. bearbeiten und hochladen. Ne Stunde mindestens muss ich in der Regel für alles einplanen.

Eigentlich nehme ich mir jeden Abend vor, am nächsten morgen, wenn ich frei habe, etwas zu schreiben. Aber dann kommt immer etwas dazwischen. Staubsaugen, spontanes Keksebacken, ICQ Gespräche, spontane Aktionen mit Marie und Luise oder Spazierengehen. Letzteres habe ich auch gestern morgen gemacht. Weil die gefrorenen Bäume draussen so cool aussahen, bin ich trotz Erkältung raus gegangen, um Fotos zu machen. Ausserdem wollte ich mit die Loipen im Park anzuschauen, von denen mir Marie erzählt hatte. Anlass, um euch heute ein bisschen über die Kälte der letzten Wochen zu berichten.

Loipe im Ankerskogen Park Schneekanone

Für Langlaufloipen hat es eigentlich noch nicht genug Schnee. Es hat zwar ständig zwischen -10 und -25 Grad, aber schneien will es trotzdem nicht. Gerade eben wurden im Wetterbericht überall Schneewolken für morgen gezeigt, ausser natürlich bei uns. Gemein. Naja. Bei solchen Temperaturen muss man sich natürlich gut einpacken. Ein Hoch auf meine neue Daunenjacke ;)

Ausserdem sind vom Atem weiss gefrorene Haare oder (gefühlter?) Frost in (!!!) der Nase ja auch mal ne ganz neue Erfahrung ;)

Warm eingepackt    

Vor einen paar Tagen war ich mit Marie unten am Mjøsa. Trotz wochenlanger Kälte ist der See kaum zugefroren gewesen. Nur an unoffenen Stellen (Hafen) oder besonders schmalen Stellen, wie auf dem Bild die paar Meter zwischen Festland und der kleinen Insel, sind gefroren. Komischerweise ist der Vänern in Schweden schon ziemlich weit zu, obwohl er mehr als 15 mal so gross ist (der Mjøsa ist viermal so tief, vielleicht liegt es ja daran). Hier mal ein direkter Vergleich:

Vänern Mjøsa

Vänern: Einfach nur zugeeist, das man kaum das Wasser in der Ferne sieht

Mjøsa: An offenen Stellen nicht mal am Rand gefroren, aber es dampft wie verrückt.

Anmerkung: In Schweden ist es viel wärmer gewesen als in Norwegen. Durchgehend.

     

Auf dem zweiten Bild eine Reihe weiter oben sieht man die kleine Insel, die vorm Koigen (Badestrand in Hamar) aufgeschüttet wurde. Dazwischen ist das Eis gefroren und auch schon ziemlich dicht. Sobald man aber ein bisschen weiter läuft, hört das Eis schlagartig auf. Das offene Wasser ist bei einem Temperaturunterschied von mindestens -10 Grad im Vergleich zur Luft natürlich kräftig am Dampfen. So bildet sich direkt über dem See immer eine riesige Wolke, und so kann man den weiteren Verlauf des Sees sehen (der Mjøsa ist sehr schmal oder lang, und ziemlich verwinkelt).

Die Sonne geht zur Zeit kurz vor drei unter und die Sonnenuntergänge sind wunderschön. Auch in der Ferne sieht man den Wasserdampf vom Mjøsa aufsteigen.

 

Dienstag, 23.11.2010

Eine süsse Tradition

Zeit euch heute endlich mal etwas über eine norwegische Spezialität zu berichten. Man liebt sie, oder man hasst sie. Sie nennt sich Brunost oder Geitost (Braunkäse bzw. Ziegenkäse). Er wird aus Molke und Milchfett gewonnen. Der Milchzucker wird beim Kochen karamellisiert, das sorgt sowohl für die so typische Farbe als auch für den süsslichen Geschmack des Käses.

(Zwischenanmerkung: Kristoffer sitzt in meinem Zimmer, schnorrt selbstgebackene Kekse und meint, ich soll die Blogeinträge ab jetzt nurnoch auf norwegisch schreiben...hmm...vielleicht das nächste Mal.)

Zurück zum Käse. Traditionell isst man ihn mit Erdbeermarmelade auf einer Brotscheibe. Ich habe hier eine kleine Fotodoku zusammengestellt:

1. Als erstes braucht man Brot, Butter, Marmelade und Käse. Brot kommt in Norwegen meistens nicht aus der Bäckerei, sondern aus den Läden. Dort werden sie fast fertig hingeliefert gebacken. Wie bei Diskountbäckern in Deutschland. Eine Brotschneidemaschine steht neben jedem Brotregal und die Brote sind in verkaufsfördernden Verpackungen, auf denen Skifahrer, Norwegenflaggen oder Wikinger drauf sind (Norweger bevorzugen grundsätzlich Produkte, die etwas mit Ski, Norwegen oder Wikingern zu tun haben).

Brot, Butter, Marmelade und Brunost

2. Man bestreiche das Brot mit Butter.

Nun die Butter

3. Käse mit dem Käsehobel in Scheiben schneiden.

Scheiben schneiden

4. Käse auf die Butterbrotscheiben legen.

Das eine Brot ist schonmal belegt...

5. Jetzt die Erdbeermarmelade auf die Butterbrotscheibe mit dem Käse streichen. Erdbeermarmelade ist aus, deswegen heute Kirschmarmelade (alternativ schmeckt auch Blaubeermarmelade, find ich persönlich aber zu süss).

Hier die falsche Marmelade, schmeckt aber auch

6. Eine fertige Butterbrotscheibe mit Käse und Marmelade in die Hand nehmen, abbeissen und es sich richtig gut schmecken lassen! Und bloss nicht dran denken, wie viele Kalorien der Käse hat.

6. (Als Alternative für alle diejenigen, die nicht zu den Menschen gehören, die Brunost lieben.) Eine fertige Butterbrotscheibe mit Käse und Marmelade in die Hand nehmen, abbeissen und das Gesicht zu einer fruchtbaren Grimasse verziehen. Den Körper zwingen, das Stück Brot runterzuschlucken und sofort etwas suchen, um den Mund auszuspühlen, damit man den seltsamen Ziegengeschmack loswird. Danach versuchen, das restliche Brot jemand anderem anzudrehen.

 Njom njom njom

Wer einmal in den Genuss einer Brotscheibe kommen möchte, kann gerne bei Familie Wieser in Mutlangen anfragen, vielleicht haben die ja noch etwas zum Probieren über. Einen norwegischen Käsehobel haben sie jedenfalls. Und wo wir es grade eben so schön von Marmelade hatten: Benni, dein Moltebærsyltetøy kannst du in Spraitbach abholen.

Freitag, 12.11.2010

Ein Tag in der Hauptstadt

Hier ein Nachtrag von letztem Freitag. Zwei Tage, bevor meine Schwester den Rückweg nach Deutschland angetreten ist, haben wir einen Ausflug in die Hauptstadt gemacht. Der erste Abschnitt auf der Zugstrecke von Hamar nach Oslo fürt direkt am Mjøsa entlang, so dass man eine tolle Aussicht geniessen kann, wenn man denn im Zug auf der richtigen Seite sitzt.

In Olso angekommen standen wir ersteinmal ziemlich ratlos da, weil der Bahnhof riesengross ist. Erst sind wir in die komplett falsche Richtung gelaufen - aber nicht umsonst! Wir haben einen Kiwi (Laden) gefunden und eine Dose Pepperkaker gekauft. Als wir aus dem Gebäude herausgekommen waren, waren wir nicht viel schlauer und wussten immer noch nicht, in welche Richtung wir sollten. Also wieder in den Bahnhof, um nach einer Touristenauskunft zu suchen. Die war zwar ausgeschrieben, gefunden haben wir sie aber trotzdem nicht (es lebe der weibliche Orientierungssinn!!!). Also haben wir in einem Zeitungskiosk einfach einen Stadtplan gekauft. So haben wir erstmal zur Oper gefunden, die wir uns auf jedenfall wegen der genialen Architektur anschauen sollten.

Die Oper ist direkt am Wasser gelegen. Das besondere ist, dass man auf ihr herumlaufen kann, bis hoch zum Dach. Ein Paradis für jeden Skateboardfahrer! Wenn es nicht ausdrücklich verboten wäre, auf dem Brett die Schrägen hinunterzusausen ;) Auf dem Dach hat Becks dann Bekanntschaft mit einem Bewohner Oslos geschlossen, der jedoch die ganze Zeit über ziemlich grimmig dreinblickte.

OperBecks' neue Bekanntschaft

Oper - Blick auf den OslofjordOper

Weiter ging es schliesslich in die Karl Johans Gate. Die hatten wir eigentlich gesucht, als wir zuerst aus dem Bahnhof hinauskamen. Jetzt mussten wir entdecken, dass sie die ganze Zeit vor unserer Nase gelegen war. Die Strasse führt nämlich vom Hauptbahnhof bis hoch zum Schloss.

Die erste Hälfte der Strasse ist eine Einkaufsstrasse, in der es so ziemlich alles gibt. Hier liegt auch das Grand Hotel - das nobelste Hotel in Norwegen und das Hardrock Cafe.

Auf dem zweiten Abschnitt der Strasse findet man das Parlament (Stortinget), das Nationaltheater, die Universität und ganz am Ende auf einem Hügel das Schloss mit angrenzendem Schlosspark.

Schloss

Universität

IbsenBjørnson

Nachdem wir alles angeschaut hatten (ausser das Sortinget - das hatten wir irgendwie noch nicht gefunden), sind wir auf der suche nach weiteren Souveniershops auf das Rathaus gestossen. Nachdem Becks endlich gefunden hatte, was sie gesucht hatte (wir waren dafür in mindestens sieben Touristenläden), konnten wir das Gebäude von vorn betrachten. Vor dem Rathaus liegt auch ein Hafen und man hatte eine klasse Aussicht auf den Oslofjord. Und schon wieder hatte Becks eine neue Bekanntschaft gemacht. Diesmal mit einem Amerikaner.

RathausBecksi und Roosevelt

Fast gegenüber vom Rathaus liegt die Akershus Festung, die im Jahre 1299 erbaut wurde. Von dort hatte man wieder einen tollen Ausblick über die Stadt und Becks hat sich auf einer Kanone die Oberschenkel abgefroren. ^^

FestungHolmenkollen/Rathaus

Schliesslich führte uns unser Weg zurück in die Karl Johans Gate und auf einmal stand es vor uns: das Stortinget. Zweimal waren wir schon am Parlament vorbeigegangen, ohne es gemerkt zu haben. Vor dem dennoch eindrucksvollen Gebäude wurden erstmal ein paar Touristenfotos gemacht.

StortingetStortingetStortinget

Wir entschuldigen für die kurze Werbeunterbrechung

Zum Ausruhen sind wir nach einigen Stunden in eine Buchhandlung und haben heisse Schokolade getrunken.Um viertel nach fünf sind wir mit meinem Gastvater nach Hause gefahren und konnten davor noch einen tollen Sonnenuntergang bei der Oper bewundern.

Nochmal bei der Oper

Fazit: In Oslo gibts es viel zu erleben und sechs Stunden reichen niemals aus, um sich alles anzuschauen, was man sehen will. Eigentlich wollten wir noch auf den Holmenkollen zur Skisprungschanze und zur Stabkirche und ins Vikingskiphuset (Wikingerschiffhaus), wo man drei alte Wikingerschiffe sehen kann. Auch in den Vigelandpark möchte ich mal gehen, um mir diese ganzen Skulpturen anzuschauen. Vielleicht zieht es mich zur Ski-WM im Februar/März wieder in die Hauptstadt, um beim Skispringen oder Biathlon auf dem Holmenkollen dabei zu sein.

Freitag, 12.11.2010

Der erste Schnee in Hamar

Es ist endlich so weit: Ich kann euch vom ersten Schnee berichten. Gestern abend auf dem Nachhauseweg von der Sprachschule hat es angefangen. Es ist zwar nicht viel, aber die Tage soll es noch ein bisschen mehr schneien. Zum Skilaufen wird es wahrscheinlich trotzdem nicht reichen, aber es bleibt kalt und ein Spaziergang durch den weissen Wald tut's vorerst auch. Das hab ich mir für morgen früh oder heute Nachmittag vorgenommen. Um alle Freunde der kalten Jahreszeit in Deutschland etwas eifersüchtig zu machen gibt's hier ein Foto. Weil ich heute morgen den ganzen Tag geputzt hab, hatte ich noch keine Zeit um richtig raus zu gehen und hab einfach mal von der Haustür aus fotografiert.

Bei Gelegenheit muss ich mir endlich eine Krem gegen Erfrierungen im Gesicht kaufen. Wenn es noch kälter als gestern Abend wird - es waren minus 8 Grad - und ich wieder mal ne Stunde durch Hamar latschen muss, hab ich die nämlich dringend nötig!

 

Sonntag, 31.10.2010

Becks berichtet von Norwegen

Seit Samstag ist meine Schwester bei mir zu besuch. Wir waren beim Eishockey in der Olympiahalle, im Furubergskogen spazieren (sie nannte das bisschen Laufen schon "Wandern") und gestern waren wir in der Hauptstadt - dazu später in einem anderen Blogeintrag von mit mehr. Heute berichtet euch Rebecca, was ihr an Norwegen alles aufgefallen ist:

In der Woche hier in Norwegen sind mir schon einige Dinge aufgefallen, die hier anders sind, als in Deutschland.

1. Das Gefängnis ist zwischen Wohngebiet und Fussgängerweg. Ausserdem scheint man dort ein recht angenehmes Leben zu führen (Die "Mauern" sind aus Holz...)

2. Es geht IMMER bergauf!

3. Manches Fleisch isst man hier mit Marmelade.

4. Jugendliche amüsieren sich hier am Wochenende, indem sie sich ins Auto setzen und wirr im Kreis fahren.

5. In ganz normalen Buchhandlungen ist ein kleines Cafe integriert.

6. Eine billige Flasche Wasser kostet 1€.

7. Im Supermarkt bekommt man das Wechselkleingeld von nem Automaten und wirft es zum Zahlen auch dort hinein. Scheine gibt und bekommt man vom Verkäufer.

8. Viele Norweger haben ein winziges Häuschen vor ihrem Haus stellen, unter das sie ihren Mülleimer stellen.

9. Die Strassenschilder hängen einfach irgendwo. An Strassenlaternen, am Zaun... Was eben gerade in der Nähe ist.

10. Brunost (komischer Ziegenkäse) schmeckt nach ner Mischung aus Karamel und Käse. Wird vorzugsweise mit Erdbeermarmelade gegessen.

11. Die Autos halten auch dann an einem Zebrastreifen an, wenn sie dazu eine Vollbremsung hinlegen müssen. Ausserdem gibt es Zebrastreifen für alte Leute, junge Leute und beide.

12. Auf den Autobahnen darf man nicht schneller als 100 oder 110km/h fahren.

13. Hier gibt es einen Sport bei dem man im Stadion sitzt und SPASS HAT!!! (Eishockey)

14. Zwei Stunden Laufen ist KEIN Spaziergang!!!

...ausserdem sprechen alle Norweger mich und nicht Isabelle an, wenn sie eine Frage haben. Daraus schliesse ich, dass ich sehr norwegisch und vertrauenswürdig wirken muss.

Donnerstag, 21.10.2010

Zahlen über Zahlen

Um in Norwegen ein Konto zu eröffnen, sich bei einem Arzt anzumelden oder eine Arbeit aufzunehmen, braucht man eine sogenannte Personennummer. Auch ich habe eine solche, denn ohne die geht hier gar nichts. Die bekommt man vom Skatteetaten (der Behörde, die für die Steuer zuständig ist) zugewiesen. Unter dieser Nummer wird auf einem Rechner, der an einem geheimen Ort "versteckt" ist, alles mögliche, was mit der Personennummer in Verbindung steht, abgespeichert. Zum Beispiel welchen Beruf man ausübt, wie oft man beim Arzt/im Krankenhaus war (plus alle Krankheiten/ Verletzungen), Straftaten, Strafzettel, wie viele Steuern man zahlt...was genau über einen selbst oder andere gespeichert ist, kann man jedoch nicht herausfinden.

Diese Daten werden für Statistiken verwendet - und auch für solche Zwecke verkauft. Das "Statistische Zentralbüro" erlangt 20% seiner Daten eben aus dieser Quelle. Wer sich für norwegische Statistiken interessiert, kann hier klicken: http://ssb.no/

Hier kann man rausfinden, dass 698 Frauen in Norwegen leben, die Isabelle heissen und 469 diesen als einzigen Vornamen haben oder dass 9 Menschen den Nachnamen Wieser tragen. Emma und Lukas sind die häufigsten Namen. 4 906 419 Menschen leben gerade in Norwegen. 2009 gab es 591 Adoptionen, 346 davon waren Auslandsadoptionen, bei denen die meisten Kinder aus China kamen. Eine norwegische Frau wird im Durchschnitt 82,1 Jahre alt, ein norwegischer Mann 78,6 Jahre. Norwegens grösster See ist mit 362 Quadratkilometern der Mjøsa und der Jostedalsbreen ist mit 487 Quadratkilometern der grösste Gletscher auf dem norwegischen Festland.

Was die Norweger aber ganz besonders interessiert, ist das Einkommen anderer Leute. Und spätestens hier würde jeder Datenschützer in die Luft gehen. Jedes Jahr werden für drei Wochen Listen über das Einkommen aller Norweger für drei Wochen im Internet veröffentlicht. Man kann auch den Namen eines beliebingen Norwegers eingeben und so sein Gehalt, Vermögen, Verdienste der vorherigen Jahre, den Betrag Steuern, den er zahlt, seinen Wohnbezirk und sein Geburtsjahr erfahren. Und wie viele Steuern er zahlt. Glaubt ihr nicht? Probiert es selbst: http://skattelister.no/ Hier könnt ihr entweder einen Namen von einer Person eingeben oder lesen, oder die topp 100 Verdiener der einzelnen Kommunen anschauen. Diese Listen sind heute auch in der Zeitung erschienen. Und zu manchen Listen gabs auch nen Artikel über eine reiche Person und darüber, warum sie so reich ist. Mich selbst kann ich irgendwie nicht finden, könnte aber daran liegen, dass ich bisher keine Steuern zahlen muss. Jemand anders wollte ich noch nicht suchen, weil ich das irgendwie unhöflich finde. Aber unter Norwegern scheint das normal zu sein...Nach drei Wochen verschwinden die Listen wieder. Hat man aber die Personennummer einer Person, deren Gehalt man erfahren möchte, ist auch das kein Problem.

Die Klatschpresse freut sich jedes Jahr natürlich wahnsinnig über diese "Steuerlisten". So konnte man in den Zeitungen lesen oder im Fernsehen sehen, dass Statsminister Jens Stoltenberg im Jahr 1 280 739 Kronen Verdient und 566 329 Kronen Steuern zahlt. Der bestverdienenste Autor ist Jo Nesbø mit einem Einkommen von 8 333 166 Kronen. Er hat ein Vermögen von 49 518 918 Kronen und zahlt 4 539 454 Kronen Steuern. Im letzen Jahr hat er 7 889 189 Kronen verdient und seit 2006 hat sich sein Vermögen verdoppelt.

Montag, 18.10.2010

Ausflug in die Vergangenheit

Letzten Freitag bin ich endlich mal aus Hamar rausgekommen und habe etwas mehr von Norwegen gesehen. Es ging nach Lillehammer, die 60 Kilometer nördlich gelegene Stadt, die ebenfalls am Mjøsa liegt (bekannt u.a. durch die Olympischen Winterspiele 1994 und die Skisprungschanze). Du Zugfahrt dauert etwa eine dreiviertelstunde und ist sauteuer (240 Kronen hin und zurück, das entspricht 29,50 Euro!).

Mit dabei war Marie und wir wollten uns das Freilichmuseum Maihaugen anschauen, wo man historische Häuser und eine Stabkirche - überwiegend aus dem Gudbrandstal - bestaunen kann. Zuerst machten wir aber einen Abstecher in die Innenstadt und dort bin ich auch meinem ersten Elch begegnet, der so begeistert von mir war, dass er gleich mit dem Kopf durch die Wand ist! Ausserdem gibt es dort eine Strasse, die nach mir benannt ist (mit kleinem Rechtschreibfehler).

Der erste Elch, der mit begegnet istDie Wiesers Gate

Es hatte Minusgrade an dem Tag. Und weils beim Kiwi grad billige Pepperkaker hat, haben wir gleich mal zwei Schüsseln gekauft. *mnjom mnjom mnjom*

Kekse!

Nach drei Buchläden und einem Touristenshop mit Norwegerpullis für 500 Euro gings zum Museum. Lillehammer seitlich an einem Hügel, das heisst, man muss entweder Berg auf oder ab. Der Bahnhof ist am Fusse vom Hügel, Maihaugen ziemlich weit oben und die Einkaufsstrasse liegt irgendwo dazwischen.

Beim Museum angekommen haben wir erstmal nach nem Eingang suchen müssen. Und auch gefunden. Die Tür stand offen, aber wir wollten nicht reingehen ohne Eintritt zu bezahlen (vorbildlich deutsch, ausserdem stand auf einem Schild, dass der Bereich videoüberwacht wird). Nach langer Suche haben wir den Eingang gefunden, aber keiner war da, der Eintrittskarten verkauft hat. Nachdem wir dann im Museumsshop endlich jemanden gefunden hatten, stellte sich heraus: die 120 Kronen muss man nur zahlen, wenn man die Ausstellung besuchen möchte. In den Park kann man umsonst :D

Von aussen sieht man schon die Türme der Stabkirche. Die konnten wir jetzt in voller Pracht sehen, allerdings war ich wieder - genau wie in Oslo - von der Grösse der Kirche etwas enttäuscht, weil ich mir Stabkirchen immer viel, viel enormer vorgestellt habe. Aber schön war sie trotzdem.

Stabkirche

Das es kalt war, habe ich schon erwähnt. In dieser kleinen Bilderreihe könnt ihr euch selbst überzeugen:

*pflück*

Hier ein paar weitere Eindrücke aus Maihaugen:

ja, der See ist am Rand auch gefroren...

Laut Wikipedia besteht der Park aus fast 200 Häusern aus folgenden Bereichen:

  • Das Dorf (Bygda) – Siedlungen aus dem Gudbrandsdal im 18. und 19 Jahrhundert, darunter die Stabkirche Garmo.
  • Die Stadt (Byen) - Lillehammer zu Beginn des 20. Jahrhunderts
  • Die Wohnsiedlung (Boligfeltet) – Häuser aus fast allen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts

Der Park ist so riesig, dass man mehrere Stunden braucht, um wirklich alles anzuschauen. Drum war es auch nicht schlimm, die Ausstellung nicht besucht zu haben, obwohl die sicher auch interessant ist. Die ist auf jeden Fall ein anderes Mal fällig.

Auf dem Weg nach Hause zum Bahnhof sind wir noch an der Kirche in Lillehammer vorbei und haben aus der Ferne nochmal die Olympiaschanze gesehen. Und vom Bahnhof daheim in Hamar konnten wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen.

Donnerstag, 14.10.2010

Kajaktour

Sitze grad allein zu Hause ganz faul auf dem Sofa und hab mir grad ne super lecker Pizza gemacht! Die ess ich GANZ ALLEINE! :D

Ich habe seit gestern sturmfrei und somit nichts zu tun. Vielleicht staubsaug ich nachher ein bisschen, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil ich zur Zeit so wenig zu tun hab. Und ich geh in den Wald joggen (oder je nach Laune spazieren), um die Kalorien wieder los zu werden.

Gestern bin ich von Marie und ihrer Familie mit zum Kajak fahren genommen worden. Die Paddeltour war zwar nicht so lang, aber hat richtig Spass gemacht. Ist ne Überlegung wert, das nach dem Winter mal öfters zu machen :)

Dienstag, 12.10.2010

Es wird kalt!

Die Kinder haben Ferien und deswegen sind wir heute morgen mit der Oma der beiden Wandern gegangen.

Während hier unten die Bäume noch richtig bunt sind (siehe letzter Blogeintrag) ist in den Bergen oben schon alles ganz kahl. Und kaum sind wir am Parkplatz angekommen, haben wir das erste Eis gefunden.

Eiszapfen*pflück*

 Durch den gruseligen Wald gingen wir hoch bis zu einer Hütte...

gruseliger Waldso gross ist eine Birke in den Bergen

 ...wo es so kalt war:

cooler Stein

 Von da aus hatten wir aber eine super Aussicht und haben mit nem Einweggrill Würstchen gegrillt.

Wirklich kalt soll es aber erst noch werden. Man achte auf den 25. Oktober: 

so kalt soll das werden O.o

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